Das man als Person oder Unternehmen in den Medien zu einer bestimmten Frage oder einem bestimmten Thema keine Stellung beziehen möchte, kommt vor. Gründe dafür gibt es zahlreiche: Laufende Gerichtsverfahren, Verletzung der Privatsphäre, politische Aussagen, etc. Dass ein Unternehmen einer Medienanstalt aber partout und zu allen Anfragen die Auskunft verweigert ist eher selten. Es gibt dazu aber einen aktuellen Fall.
Offline-Zombies
Endlich haben wir es Schwarz auf Weiss: Die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft hat auch negative Auswirkungen. So sehen es zumindest 69% der im Rahmen einer deutschen E-Commerce-Studie Befragten. (Interessant in Bezug auf das Studiendesign: Nach möglichen positiven Auswirkungen wurde gar nicht erst gefragt, weil wohl vorausgesetzt…) Eine der am häufigsten genannten Befürchtungen ist laut Studie die «Abspaltung nicht vernetzter Gesellschaftsteile». Weiterlesen
Wenn Floskeln drohen
Kürzlich ist mir ein Artikel der Handelszeitung von Mitte letztem November zur Hand gekommen (Auszug siehe hier). Er kritisiert schönfärberische Floskeln und verpatzte Kommunikationsabläufe im Zusammenhang mit Personalabbau-Massnahmen. Zugegeben, gewisse Ereignisse und Sachzwänge können die kommunikativen Abläufe erschweren (Bsp. Alstom 2010). Und die Versuchung, einen Stellenabbau den Aktionären gegenüber möglichst nicht als unternehmerische Schwäche erscheinen zu lassen, mag gross sein. Dennoch gilt der Grundsatz: richtig geplant und im Klartext kommuniziert ist halb gewonnen.
Gleichwohl gelten klare Worte in der Unternehmenskommunikation andernorts als absolut unangebracht. Namentlich die immer wieder kritisierten „Drohungen“ von Unternehmen – letztmals debattiert im Zusammenhang mit den Interviews von Swiss CEO Harry Hohmeister und dem Zürcher Volkwirtschaftsdirektor Ernst Stocker – sind manch einem ein rotes Tuch. Es ist wohl so, dass eine Drohung urschweizerische Abwehrinstinkte provoziert. Asterix, Tell und David in Ehren, aber etwas mehr Nonchalance und Sachlichkeit gegenüber Aussagen von Firmenchefs zu Konsequenzen einer Entwicklung für das eigene Unternehmen, würde manchmal von mehr Selbstbewusstsein zeugen als die Empörung über eine so genannte Drohung. Letztlich nimmt eine klare Stellungnahme zur Frage nach möglichen Konsequenzen den Fragestellenden und das Publikum ernst. Wenn im Moment eine Entfremdung von Wirtschaft und Gesellschaft konstatiert wird, sollte man froh darüber sein, wenn sich die Unternehmen am öffentlichen Dialog beteiligen. Und da sind klare Aussagen hilfreicher als wässerige Floskeln.
Sie glauben es nicht, aber sie tun es
Nun ist es also empirisch erhärtet: 2 von 3 Schweizer Unternehmen kommunizieren auf social Media – obwohl keines an den Sinn dieses Unterfangens glaubt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der ZHAW Winterthur, die dazu beinahe 900 Firmen und Organisationen befragt hat. Ist das schockierend? Beleg für eine fahrlässige Kommunikationsstrategie, die sich nur dem aktuellen Hype verpflichtet sieht? Oder gar ein Indiz für die Überflüssigkeit von Unternehmenskommunikation an sich? – Nein. Was das Ergebnis der Studie illustriert, ist der Kern von Kommunikation schlechthin: Über 90% von dem was wir täglich von uns geben, ist irrelevant und ‘sinnlos’ – worüber wir uns völlig im klaren sind, es aber dennoch tun. Woran liegt das? An der Tatsache, dass wir ‘nicht nicht kommunizieren können’? Dass wir also zwanghaft plappern, weil wir müssen, aber nicht glauben, etwas zu sagen zu haben? Wenn wir nicht an die Sinnhaltigkeit, den ‘Mehrwert’ von Kommunikation glauben, warum kommunizieren wir dann? Weil wir glauben, dass andere daran glauben. Der österreichische Kulturtheoretiker Robert Pfaller spricht diesem Phänomen des ‘Glaubens an den Glauben der andern’ eine fundamentale soziale Funktion zu. Sie verbindet, schafft Kohäsion, bestätigt Zugehörigkeit. Auch wenn wir es nicht glauben wollen – wenn wir kommunizieren, tun wir also das Richtige. Und gerade deshalb lohnt es sich, die eigenen Ansprüche und Investitionen in Kommunikation hoch zu halten. Nicht nur im Hinblick auf die 10% relevante Inhalte, sondern gerade auch in Bezug auf das scheinbar ‘sinnlose’ Rauschen, das diesen faktischen Kern permanent begleitet – denn diesem Rauschen verdanken wir es letztendlich, wenn wir dann doch gelesen, gehört, gesehen und verstanden werden.
Generationenwechsel bei PB&C: Gespräch mit Peter Bütikofer und Bernhard Schmid
Peter Bütikofer, Gründer und Geschäftsführer der Agentur seit 1989, hat per 1. April 2013 die Aktienmehrheit und die operative Führung an Bernhard Schmid übertragen. Ein Gespräch mit dem Agenturblog zum Führungswechsel und zur näheren Zukunft der Agentur.
Studien der UBS und der Universität St. Gallen gingen 2011 von rund 60’000 bis 70’000 Schweizer Firmen aus, in denen bis 2016 die Nachfolge geregelt werden müsse. Welche Bedeutung hat da der Generationenwechsel bei der Peter Bütikofer & Company?
PB: Er ist also demnach einer unter über 60’000…. Aber natürlich ist das eine Frage der Perspektive. Für uns und unsere Kunden war und ist ein organischer Wechsel sehr wichtig. Darüber hinaus werden mit einem Wechsel ja auch immer Erwartungen verknüpft.
BS: Das ist natürlich auch eine Frage der Zeit. Es ist unser erklärtes Ziel, die Agentur eigenständig im Markt zu halten, damit sie weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird und ihre Position weiter ausbauen kann.
Sie sagten „organischen“ Wechsel. Was meinen Sie damit?
PB: Das heisst, dass der Wechsel die hohe Qualität der Leistungen nicht beeinflusst, keine Unsicherheiten und Leerräume bei Kunden und Mitarbeitern entstehen, sondern dass alle am gleichen Strick ziehen.
Die Bilanz sagte einst, Nachfolgeregelungen seien für Unternehmer eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Empfinden Sie das auch so?
PB: Ja, es ist doch klar, dass man ein Unternehmen, das man mit viel Engagement aufgebaut und während einem Vierteljahrhundert geführt hat, nicht irgendwie und irgendjemandem überlassen will. Deshalb haben wir uns auch entsprechend Zeit dafür gegeben. Die Nachfolgeregelung wurde Ende 2009 mit der Beteiligung von Jan Freitag und Bernhard Schmid an der Führung der Agentur und im Aktionariat eingeleitet.
Wie wird die Aufgabenteilung zwischen Ihnen beiden künftig aussehen?
PB: Ich habe mich vollständig aus der operativen Führung des Unternehmens zurückgezogen, werde aber die Agentur in meiner Funktion als VR-Präsident und Senior Berater weiterhin begleiten.
BS: Trotz der klaren Aufgabenteilung stimmen wir uns selbstverständlich eng ab, wie wir das auch in den Kundenmandaten bisher getan haben.
Wie lange werden Sie, Herr Bütikofer, dem Unternehmen als Berater und VR-Präsident treu bleiben?
PB: Das haben wir bewusst offen gelassen. Vorderhand ist es gut für die Agentur aber auch für mich persönlich. Ich spiele kein Golf und habe auch kein Weingut in der Toscana… Hingegen reise ich sehr gerne. Irgendwann werde ich dann wohl irgendwo auf der Welt hängenbleiben.
Wird der bestehende Name Peter Bütikofer & Company bestehen bleiben?
BS: Ja, ich habe zusammen mit Peter Bütikofer und Jan Freitag entschieden, dass der Name im Moment bestehen bleibt. Peter Bütikofer & Company ist eine etablierte Marke, von deren Wert und Bekanntheit wir in näherer Zukunft weiterhin profitieren möchten. Mittelfristig ist ein Namenswechsel denkbar.
Vor welchen unternehmerischen Herausforderungen steht die Peter Bütikofer & Company?
BS: In den vergangenen Monaten und Jahren sind sehr viele neue Kommunikationsberater auf den Markt gekommen – sei es via neue Ausbildungsangebote oder auch durch Veränderungen in der Medienlandschaft. Hier gilt es für unsere Agentur einerseits die richtigen Talente verpflichten zu können. Andererseits will und muss sich die Agentur mit exzellenter Qualität und Leistung im Verdrängungsmarkt weiterhin erfolgreich behaupten.
Was wird sich in der Agentur unter der neuen Leitung verändern?
BS: Ich folge auf 24 Jahre Kontinuität in der Führung, das fordert etwas Fingerspitzengefühl. In anderen Führungsfunktionen habe ich Veränderungen in meinem Sinn stets nach und nach vorgenommen. Das wird hier nicht anders sein. Selbstverständlich habe ich auch klare Vorstellungen zur künftigen Stossrichtung und zu den Schwerpunkten der Agentur. Und mit der Person ändert immer auch der persönliche Stil.
In eigener Sache: Generationenwechsel per 1. April 2013
Peter Bütikofer, Gründer und Geschäftsführer der Peter Bütikofer & Company seit 1989, hat per 1. April 2013 die Aktienmehrheit und die operative Führung an Bernhard Schmid, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung seit 2009, übertragen. Bütikofer wird weiterhin als Berater und VR-Präsident für die Agentur tätig sein.
Bernhard Schmid (38) studierte Rechts- und Politikwissenschaften an der Universität Zürich und Management an der Universität St. Gallen. Vor seinem Eintritt in die Peter Bütikofer & Company 2006 war er für die Credit Suisse und Osec Business Network Switzerland in der Kommunikation und im Marketing tätig. 2011 und 2012 führte er als Präsident die Gesellschaft der Investor Relations Agenturen der Schweiz.
Ein Gespäch mit Peter Bütikofer und Bernhard Schmid zum Generationenwechsel wird demächst an gleicher Stelle publiziert.
Staatsräson und kommunikative Vernunft
Altbundesrätin Calmy-Rey äusserte sich diese Woche in einem Gastkommentar in der NZZ (hier) zum GPK-Bericht über das Behördenverhalten im Vorfeld des Rücktritts des Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank. Sie erinnern sich: die ‚Affäre Hildebrand’ war das, lang ist’s her.
Blocher trägt Calmy-Rey ein Gerücht zu, ‚ungesicherte Fakten’. Was soll die Bundespräsidentin tun? Die Rechtslage abklären, Zuständigkeit prüfen. Die ‚ungesicherten Fakten’ überprüfen, das Gerücht auf seinen Wahrheitsgehalt hin abklopfen. Das alles nimmt Zeit in Anspruch. In dieser Zeitspanne informiert sie andere ebenfalls zuständige Stellen nicht. Der GPK-Bericht macht ihr das nun zum Vorwurf.
Interessant ist die Frage, die Calmy-Rey dazu stellt: Was wäre, wenn Sie sich wie von der GPK gefordert verhalten hätte? Das Gerücht hätte Kreise gezogen. Es hätte seinen Wirkmechanismus entfaltet: Aus seinem faktenlosen Raum heraus Reaktionen hervorgerufen, die Fakten geschaffen, eine eigene Wahrheit hergestellt hätten. Das Gerücht hätte sich an seinem eigenen Überleben als Kommunikationssystem orientiert. Und das liegt nun mal in der fortschreitenden Verbreitung: Das Kommunikationssystem hat also mit der Wahrheit des Gerüchts „gar nichts im Sinn“, es sinnt einzig auf seine Erhaltung, sagt der Gerüchteforscher Klaus Merten. Es ist selten, dass Staatsräson und kommunikative Vernunft zusammenfallen. Hier war es der Fall.
Politik aufräumen
Wer die Chagall-Ausstellung im Kunsthaus Zürich (noch bis 12. Mai) nicht gerade am Wochenende besucht, trifft mit grosser Wahrscheinlichkeit auf eine Schulklasse, die vom Lehrplan zur zwangsweisen Kunstbetrachtung verdonnert hinter einer beflissenen Museumspädagogin herdackelt. Einen tristeren Anblick gibt es nicht: Links und rechts von grossen Meisterwerken eingerahmt, haben diese Jugendlichen nur Augen und Ohren für ihre Smartphones. Um diese Firewall zu überwinden, führt die Pädagogin einen wahren Affentanz auf, buhlt um Aufmerksamkeit für die Bilder. Egal wie, Hauptsache, man setzt sich in irgend einer Form mit ihnen auseinander. Das gelingt ihr mittels des von Ursus Wehrlich äusserst erfolgreich eingeführten Rezeptes des ‚Aufräumens’. Chagall wird sortiert, geordnet, neu arrangiert. Plötzlich ist die Freude da. Natürlich ist das nicht ‚ernsthaft’, nicht tiefgreifend etc. Es ist ein Spiel. Aber eines, das an den Kern der Sache rührt, in dem es nach Gemeinsamkeiten, Differenzen, Verhältnissen fragt. Dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, wird gerade dadurch klar.
Vergangene Woche hat sich in der NZZ eine kleine Debatte entsponnen (hier und hier) über Sinn und Unsinn politischer Ratings und der datenbasierten Polit-Analysen mit ihren hübschen Infografiken und ihren unterhaltsamen medialen Verkürzungen (die «Schwänzer-Liste», das «Ehrlichkeitsrating», die «ausgabenfreudigste Politikerin» usw.) Von «problematischer Transparenz- und Technologiegläubigkeit» ist auf der einen Seite die Rede, von der verantwortungsvollen Einbettung solcher Analysen in den «politischen Kontext» auf der anderen Seite. Ich meine, die Sache ist einfacher: Ratings und Infografiken gewinnen zumindest kurzfristig unsere Aufmerksamkeit für Politisches. Sie spielen ein Spiel. Aber eines, das an den Kern der Sache rührt, in dem es nach Gemeinsamkeiten, Differenzen, Verhältnissen fragt. Und die Eitelkeiten des Politbetriebes (den «politischen Kontext») aussen vor lässt. Dass das Ganze dabei nicht mehr und nicht weniger ist als die Summe seiner Teile, wird gerade dadurch klar.
Ein Minenfeld für Zensurversuche
Mit der Bitte unvorteilhafte Bilder der Sängerin Beyoncé Knowles vom Internet zu löschen, hat sich ihre PR-Agentur nicht nur viel Kritik eingeheimst, sondern auch gleichzeitig eine Welle der Aufmerksamkeit für diese Bilder ausgelöst. Was hat die Agentur falsch gemacht? Weiterlesen
Medienhäuser tun sich mit den Printausgaben viel zu schwer

„Rettet die Zeitungen – Deutschlands Intellektuelle profitieren von Printmedien als Bühne – aber sie setzen sich nicht für sie ein“, titelt Bernhard Pörksen, deutscher Experte für Print- und Onlinemedien an der Universität Tübingen in „Der Zeit“ vom 10. Januar 2013.
Wieso sollen die Intellektuellen die Printmedien retten? Wieso soll man die Printmedien überhaupt retten?




