Die Begriffe «Plagiat» und «Piraterie» sind heute in aller Munde. Bereits letzte Woche habe ich zu diesem Thema hier einen Beitrag publiziert. Zig Millionen weitere Seiten im Netz zeugen darüber hinaus davon. Viele unter diesen spenden Geprellten wie folgt Trost: «Die Kopie ist die ehrlichste Form des Kompliments.»
In der Regel wird diese Aussage mit dem Hinweis ausgeschmückt, dass es sich dabei um eine fernöstliche Weisheit handle. Wer sich nun aber die Mühe macht und zu diesen Worten Nachforschungen anstellt, wird rasch feststellen, dass die fernöstliche Komponente daran wohl etwas gar weit hergeholt sein dürfte. Und dies, unabhängig davon, dass sie zumal auf den ersten Blick betrachtet womöglich als «nahe liegend» erscheinen mag. Denn gemäss Web soll es sich bei genannter Weisheit «in Tat und Wahrheit» vielmehr um eine Aussage der Modeschöpferin Coco Chanel handeln.
Soll es sich? Ja, denn ob es sich dabei um ureigene Worte Chanels handelt oder ob auch sie sich aus dem Fundus eines geistigen Vorreiters bedient hat, bleibt offen. So hat etwa bereits Wilhelm Busch Jahre vor Chanels Rede eine dem Sinn nach zumal sehr ähnliche Aussage gemacht. Zitat: «Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung». Ob allenfalls er sich dazu durch eine fernöstliche Weisheit hat inspirieren lassen, lässt sich nicht ausmachen.
Nachprüfbar falsch ist aber beispielsweise die Quellenangabe zu einem Zitat, das in diesem Kontext etwa im Forum auf weltverschwoerung.de auftaucht. Hier werden die Worte «Die höchste Form der Anerkennung ist Liebe» kurzum dem Propheten Habakuk angedichtet. Doch eine entsprechende Nennung findet sich weder im Zwölfprophetenbuch des jüdischen Tanach noch im Alten Testament der Bibel. Demnach trifft hier wohl viel eher die Wortverwendung des genannten Namens im deutschsprachigen Raum zu: «So ein Habakuk!»
Wie dem auch sei. Der geistige Urheber der anfänglich als «Trost» genannten Aussage lässt sich heute nicht mit Verlass verifizieren. Und dies trotz Web und den sich damit der Welt erschliessenden, schier unbegrenzt erscheinenden Möglichkeiten. Schade eigentlich. Dafür erschliessen sich online aber ganz offensichtlich umso mehr Möglichkeiten zum Diebstahl. Und zum Dialog darüber …