Gemäss heute publizierten Berichten des Tages-Anzeigers, der Welt und diverser anderer Medien sollen die Regeln für Börsengänge in den USA nach dem Facebook-Debakel verschärft werden. Dies insbesondere um die Stellung der Kleinanleger zu verbessern. Dabei könnten sich diese durchaus auch selber helfen.
Nachdem der Börsenkurs von Facebook kurz nach dem Start viel an Terrain verlor, wurde einerseits Morgan Stanley wegen selektiver Information einzelner Grossanleger kritisiert. Andererseits wurden die Banken im Allgemeinen ins Visier genommen, weil sie faktisch den Ausgabepreis diktieren könnten. Der Preis sei zu hoch angesetzt gewesen heisst es, und die Banken seien verantwortlich für den finanziellen Verlust etlicher Kleinanleger.
Fakt ist: Beim Börsengang von Facebook war der Anteil an Retail-Investoren vergleichsweise hoch. Ich wage zu behaupten, dass die absolute Zahl um einiges höher war als die Zahl der gut über Facebook informierten Anleger. Und dies nicht, weil ihnen eben relevante Informationen am Tag vor dem Börsengang vorenthalten wurden, sondern weil sich viele Anleger schlicht zu wenig über das Unternehmen, seine Entwicklungsmöglichkeiten und die Risiken informiert hatten. Der zugegeben heikle Vorwurf selektiver Information kommt unter diesem Aspekt folglich sehr gelegen, um mit einer Klage mindestens einen Teil des verlorenen Geldes wieder zurück zu erlangen.
Diese mühsame Schlaufe kann man sich als Kleinanleger allerdings ersparen, indem man sich nicht vom kurzfristig erhofften Gewinn und der “coolen” Ausstrahlung des Unternehmens blenden lässt, sondern sich ernsthaft darüber informiert, wem man sein Geld anvertraut. Hand aufs Herz: Wieviele Seiten des Börsenprospekts haben Sie gelesen, als Sie beim letzten IPO gezeichnet haben? Daneben ist auch eine allgemeine Lektüre über die Fallgruben bei Börsengängen empfohlen, wie dieser Artikel aus der NZZ von Ende Mai.
